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Geschichten und Gschichtla aus der Heimat

Der Christbaumdieb

Hilmar Sommermann

Ökumene in der Diaspora

Es war in der Zeit, als ich die Pfarrstelle in Weiden-Neunkirchen innehatte. Die evangelische und die katholische Pfarrei sind mit ihren Kirchen nur durch einen Zaun getrennt. Unsere Landjugendgruppe hatte da schon mal ein Zaunelement herausgenommen und ein ökumenisches Gemeindefest organisiert. Die gleiche Gruppe hatte auch Anfang der 80er Jahre einen sehr beachteten Lehrpfad zum Waldsterben errichtet.

Der Simultanwald

Beide Kirchengemeinden besitzen zusammen auch einen so genannten Simultanwald. Das ist in der Oberpfalz gar nicht so selten und geht auf die Gegenreformation zurück. (Wann und was das war, kann man in einschlägiger Literatur lesen oder sich im Internet informieren). Die Verwaltung des Kirchenwaldes, wie wir ihn nannten, wechselte alle zwei Jahre. Doch den jährlichen Holzeinschlag samt Verkauf übernahm das Forstamt. Den Erlös haben wir redlich geteilt.

Forstwirtschaft

Die Verjüngung des Waldes geschah auf natürlichem Weg. Dazu der Förster: „Der Waldboden müsste  an lichten Stellen mal aufgelockert werden, damit der Same aus den Tannenzapfen besser eindringt.“ Es fand sich ein Landwirt, der das mit Traktor und Egge machte. Und es hat funktioniert. Kräftige junge Fichten wuchsen auf. Wenn diese nach ein paar Jahren ausgedünnt werden mussten, waren immer auch ein paar schöne Christbäume dabei. Damit zur eigentlichen Geschichte:

Der Christbaumdieb

An einem Dezembertag war mein katholischer Kollege in unserem Wald unterwegs. Was ihm da passiert ist, hat er mir so erzählt: „Da steht doch ein fremdes Auto am Waldweg. Hat mich schon stutzig gemacht. Und dann kommt mir im Wald auch ein unbekannter Mann entgegen. Unterm Arm eine Fichte. Da bin ich stehen geblieben und hab ihn gefragt, was er da unterm Arm trägt und wozu er das braucht. Seine Antwort: „Ich habe Pfarrer Wutz gefragt und er hat mir erlaubt, einen Christbaum aus dem Kirchenwald zu holen“. Darauf ich: Ich bin Pfarrer Wutz! Was dann geschah, werde ich nie vergessen“ sagte mein Kollege und musste dabei lachen: Der Mann hat augenblicklich den Baum fallen gelassen und ist davongerannt!

Absolution?

Ach ja. Ob er sich nochmals gemeldet hat der Christbaumdieb? Pfarrer Wutz ist inzwischen gestorben. Aber so wie ich ihn einschätzte hätte er ihm gern die Beichte abgenommen und Absolution erteilt. Und dann hätte der Unbekannte gewiss auch seinen Christbaum bekommen. Gegen eine Spende, versteht sich.

 

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