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Geschichten und Gschichtla aus der Heimat

Der Christbaumdieb

Ökumene in der Diaspora Es war in der Zeit, als ich die Pfarrstelle in Weiden-Neunkirchen innehatte. Die evangelische und die katholische Pfarrei sind mit ihren Kirchen nur durch einen Zaun getrennt. Unsere Landjugendgruppe hatte da schon mal ein Zaunelement herausgenommen und ein ökumenisches Gemeindefest organisiert. Die gleiche Gruppe hatte auch...

Weihnachtsstollen

Arbeit auf dem Bauernhof In den Kriegsjahren hatte unsere Mutter während der Erntezeit bei einer befreundeten Bauernfamilie mitgeholfen. Dafür bekam sie manches von dem, was ein Bauernhof noch behalten durfte. Der Bauernsohn, gerade 18 geworden, wurde als Soldat eingezogen, seine vier Schwestern (siehe Geschichte Sonntagsschule) standen ihrer Mutter zur Seite,...

Mist!

Wirtschaftswunder Als im Juni 1948 die Währungsreform kam und die Reichsmark durch die Deutsche Mark ersetzt wurde, begann in Deutschland das so genannte Wirtschaftswunder. Immer mehr Menschen kamen in Lohn und Brot, die Landwirtschaft aber verlor Knechte und Mägde. Neue Möglichkeiten Doch die Bauern konnten sich jetzt einen Traktor anschaffen. Mit angebautem...

Schwarzbeern

Beerenzeit Besser bekannt sind diese Waldfrüchte wohl unter den Namen Heidelbeeren und Blaubeeren. Für uns waren das Schwarzbeern. Wenn die Mutter zu uns Kindern sagte, „kommt, macht eich fertig, mir genga in die Schwarzbeern“, löste das, soweit ich mich erinnere, keine große Begeisterung aus. Aber wir gehorchten halt. War damals...

Die vertriebenen Mädchen

Alle suchen eine Unterkunft In den letzten Kriegsmonaten sind viele Flüchtlinge gekommen. Nach dem Krieg aber ziehen immer noch Pferdegespanne durch unser Dorf. Man sagt uns, das sind Vertriebene, keine Flüchtlinge! Wegen politischer Grenzverschiebungen im Osten mussten sie Haus und Hof verlassen. Sahen sich selbst als Heimatvertriebene. Hofften auf baldige...

Schwamma

Herbstzeit - Pilzzeit „Ejich denk, ejich gie nuch emal in die Schwamma“ sagt der Vater. Mutter hat nichts dagegen aber sagt: Obber gieh nit suweit neina Wald und kumm bald wejider. Vielleicht kenna mr nouchert deine Schwamma gleich ze Ambd essen.“ Maronen, Rotkappen, Steinpilze Das war im September 1946. Seit zwei Monaten...

Abendläuten

Sommerzeit - lange milde Abende. Da ist die Dorfjugend draußen. Spielen, Lachen, Scherzen. Der Sommer 1945 ist warm und sonnig. Der Krieg ist vorbei, überall regt sich neues Leben. Auch in der Kirche. Herz und Sinn genießen die Freiheit, Glocken dürfen wieder klingen. Unsere Dorfkirche hatte nur noch eine. Die kleine. Die...

Niedrigwasser

„Es Wasser werd kla, mir kenna wejider fischn!“ Der Schrei meines achtjährigen Bruders war nicht zu überhören, er hatte das sinkende Wasser der Selbitz bemerkt. Mit alten Schuhen an den Füssen stiegen wir in das nur wenige Zentimeter hohe Wasser. Am Ufer und an Steinen hatten sich kleine Tümpel gebildet....

Johannisfeuer

„Ejich wisset scho en Platz dou kennt mers ejiberall sejing“ - „Wu denn, souch halt scho“. So tönte es in der Jugendgruppe, als einer die Frage stellte, ob denn heuer wieder ein Johannisfeuer geplant sei. Seinem Vorschlag wurde zugestimmt: Der südliche Berghang am Gailer. „Obber fei rechtzeitig omelden, warnte...

Holz holen

„Kommt, zieht eijere festen Schuh o, wir missen ins Holz“ Die Mutter ruft ihre drei Kinder. „Schickt eich, es kennt nuch renga!“ sagt sie noch und holt den Handwagen aus der Hütte. Bald stehen wir im Wald und sammeln herabgefallene kleine Äste. Der Waldboden war wie leergefegt. Klar, andere brauchten...